Seit unserer Ankunft im Kinderheim lernen wir die Mädchen Schritt für Schritt kennen.
Nicht auf einmal und nicht mit grossen Worten – sondern im gemeinsamen Alltag.
Erst durch die Kinder selbst beginnen wir, den Alltag hier richtig zu verstehen.
Sie zeigen uns, wie alles funktioniert:
Wie gegessen wird, wo gespielt wird, wohin man sich zurückzieht oder wo es am schönsten ist.
Jedes Mädchen führt uns auf ihre eigene Weise durch ihr Zuhause.
Sie zeigen uns ihre persönlichen Lieblingsplätze,
Ecken, an denen sie gern spielen, sitzen oder einfach zuschauen.
Auch ihre Lieblingsspiele lernen wir kennen, manche davon immer wieder, andere ganz neu für uns.
Meine Kamera habe ich dabei fast immer bei mir.
Sie begleitet mich durch den Alltag und fängt kleine Momente ein.
Dabei entstehen oft besonders schöne Augenblicke,
denn auch die Mädchen sind fasziniert vom Fotografieren.
Sie schauen neugierig zu, wollen wissen, was die Kamera sieht,
lachen über die Bilder oder posieren ganz selbstverständlich davor.
Beim gemeinsamen Essen, beim Spielen, beim Schwimmen oder einfach zwischendurch entstehen diese Begegnungen.
Manche Mädchen sind von Anfang an offen und neugierig, andere beobachten erst einmal aus der Ferne.
Jede in ihrem eigenen Tempo.
Mit der Zeit werden Persönlichkeiten sichtbar:
leise Mädchen, die Nähe suchen, ohne viele Worte.
Lebhafte Mädchen, die überall dabei sind und den Raum mit Energie füllen.
Und solche, die langsam Vertrauen fassen und dann ganz selbstverständlich dazugehören.
Wir merken, wie wichtig es ist, jedes Mädchen einzeln wahrzunehmen.
Nicht zu vergleichen, nicht zu erwarten, sondern zuzuhören, zuzusehen und da zu sein.
Dieses Kennenlernen geschieht nicht an einem Tag.
Es wächst mit jedem gemeinsamen Spiel,
jedem gezeigten Lieblingsplatz
und jedem festgehaltenen Moment.
Liebe Grüsse
Alessia :)