Eine Frage, die ich mir gestellt habe, bevor ich hierhergekommen bin, war:
„Wie wird hier jeden Tag für die Mädchen gekocht?"
Dass dabei große Mengen für aktuell 54 Mädchen und das gesamte Personal entstehen, habe ich mir schon gedacht. Aber die Art und Weise, wie hier gekocht wird und was es sonst noch zu essen gibt außer Reis, hat mich dann doch schnell beeindruckt.
Hier wird nämlich in einer Außenküche das Essen zubereitet und über offenem Feuer gekocht.
Unglaublich, bei dem Klima das hier herrscht, dann unter einem Dach zu stehen mit der zusätzlichen Wärme, die das Feuer abgibt. Und trotzdem ist es ein beeindruckender „Raum", in dem jeden Tag super leckere Gerichte entstehen und nebenbei auch schöne Gespräche zustande kommen.
Die beiden Köchinnen, Jesintha & Deepani, waren mir von Beginn an sympathisch und ich bin ihnen beiden sehr dankbar für das, was sie hier jeden Tag von Morgens bis Abends leisten. Für so viele Menschen zu kochen bedeutet schließlich, große Mengen vorzubereiten, zu kochen und anschließend wieder alles aufzuräumen. Dabei bekommen sie zum Glück tatkräftige Unterstützung von einigen Mädchen, die ihnen im Küchenalltag zur Hand gehen.
Da ich neben meinem Studium selbst im Catering arbeite, kenne ich es, Essen für viele Menschen vorzubereiten und auszugeben. Trotzdem ist es hier noch einmal etwas ganz anderes. Vor allem die offene Küche, das Kochen über dem Feuer und die Art, wie alles mit vergleichsweise einfachen Mitteln funktioniert, beeindrucken mich.
Sehr gerne greife ich Jesintha und Deepani deshalb auch unter die Arme – vor allem, wenn die Mädchen in der Schule sind und ich meine Arbeit im Computerraum erledigt habe. Oder auch mal ganz früh am Morgen, um die Lunchboxen der Mädchen zu befüllen.
Auch eine andere Sache war für mich am Anfang etwas ungewohnt: Hier wird mit den Händen gegessen. Gerade wenn man es aus Deutschland gewohnt ist, automatisch zu Besteck zu greifen, fühlt sich das zunächst etwas anders an. Mittlerweile mache ich es aber selbst sehr gerne und kann auf das Besteck auch gut verzichten.
Eigentlich habe ich damit auch schon eine kleine Vorgeschichte: Als Kind habe ich es nämlich geliebt, wenn bei meinen Eltern in der Küche noch ein Topf mit Nudeln oder Reis vom Essen übrig stand und ich zwischendurch einfach mal mit der Hand hineingegriffen habe, um ein bisschen davon zu naschen.
Hier gehört das Essen mit den Händen ganz selbstverständlich zum Alltag. Und irgendwie gefällt mir genau das: Man nimmt sich Zeit, sitzt zusammen und erlebt das Essen noch einmal ganz anders.
Die Küche ist für mich mittlerweile zu einem Ort geworden, an dem nicht nur Essen für über 50 Menschen entsteht, sondern auch Begegnung, Austausch und ganz viele kleine Momente im Alltag. Und ich freue mich, dass ich ein kleines Stück davon miterleben und auch mithelfen darf.