Als Fürstenfeldbruckerin gehört das Oktoberfest für mich schon seit meiner Kindheit irgendwie dazu.Gefühlt ist sie die fünfte Jahreszeit, in der sich in München zwei Wochen lang alles um Dirndl, Lederhosen, Bier und Festzeltstimmung dreht. Dieses Jahr verpasse ich sie allerdings, denn ich verbringe bewusst mein Praxissemester im Angels Home in Sri Lanka.

Dass ich trotzdem ein bisschen Wiesn erleben würde, war schon lange vor meiner Abreise klar. Zwei meiner Freundinnen sind ebenfalls hier, um als Animateurinnen auf dem Oktoberfest in Colombo zu arbeiten. Schon da war es eine ziemlich lustige Vorstellung, dass die beiden irgendwo in Sri Lanka im Dirndl über ein Oktoberfest hüpfen würden, während ich meinen Alltag zwischen Palmen und Kinderheim verbringe. Dass mich die Wiesn hier tatsächlich einholen würde, war also irgendwie absehbar – und trotzdem ziemlich surreal. 

Das Festzelt- erinnert auch ein bischen an ein Zirkuszelt
Meine Freundinnen und Ich

Ich konnte die beiden durch meine freien Tage in Colombo besuchen und das fühlte sich dann erst einmal wie ein kleiner Kulturschock an. Vom tropischen Grün und dem eindrucksvollem Alltag im Angels Home ging es plötzlich in die Großstadt, in ein Hotel mit riesigem Buffet und in eine ganz anderen Welt.

Und abends? Dirndl an, deutsche Musik, Tanzen und Bier. Für ein paar Stunden war ich plötzlich wieder mitten in einem Stück Heimat – nur eben tausende Kilometer von München entfernt. 

Lange habe ich es dort trotzdem nicht ausgehalten, denn an meinen freien Tagen sehne ich mich auch sehr nach Erholung und neuen Eindrücken und die Oktoberfestkultur kenne ich nun doch ziemlich gut. 

 Es war eine ziemlich verrückte Mischung, die mir wieder einmal gezeigt hat, wie unterschiedlich die Welten sind, zwischen denen ich mich gerade bewege.

Auf der einen Seite mein Alltag im Angels Home, wo definitiv nicht jeder Tag gleich ist.Ich bekomme den Einblick in die Lebensrealitäten der Mädchen, erlebe wie wichtig verlässliche Beziehungen, gemeinsame Zeit und Momente der Freude sind. Dann auf der anderen Seite die Welt meiner Freundinnen und die Welt des Oktoberfests, auch hier geprägt von ganz anderen Privilegien, Prioritäten und Lebensrealitäten.

Es war aber wunderschön Freundinnen hier treffen zu können, mich mit ihnen auszutauschen und dass mich ein Stück München und die Heimat, ausgerechnet hier in Sri Lanka gefunden hat.